GÜNTER WAND - EDITION

DAS KLINGENDE VERMÄCHTNIS Herausgegeben von Wolfgang Seifert bei PROFIL / EDITION HÄNSSLER in Zusammenarbeit mit den ARD-Rundfunkanstalten, der BBC London und NHK Tokyo
Natürlich hat Günter Wand (1912-2002) Dutzende von Schallplatten hinterlassen: die CLUB DU DISQUE FRANÇAIS-Aufnahmen der sechziger Jahre mit dem Kölner Gürzenich-Orchester (jetzt als remasterte CDs bei TESTAMENT), vor allem die bei BMG erschienenen, immer wieder dort (und auch bei ZWEITAUSENDEINS) neu aufgelegten kompletten sinfonischen Zyklen mit dem WDR- und dem NDR-Sinfonieorchester sowie die beeindruckenden Live-Recordings seiner Hamburger und Lübecker Konzerte mit dem NDR-Sinfonieorchester und die späten Aufzeichnungen mit den Berliner Philharmonikern.
Zeitlebens der prototypische Antistar und deshalb jahrelang in seiner Bedeutung nicht richtig erkannt, galt dieser Dirigent erst im hohen Alter international als Klassik-Interpret einsamen Ranges. Deshalb stammen die meisten dieser vielfach preisgekrönten und in den Rang von Referenz-Einspielungen erhoben Aufnahmen aus seiner Spätzeit. Umso wichtiger sind Wands zahlreiche bisher nicht veröffentlichte Rundfunk-Aufnahmen aus früheren Jahren. Er hat in fast allen ARD-Anstalten, in der BBC und bei NHK Tokio gearbeitet und jeweils reiche musikalische Spuren hinterlassen. Es ist das Ziel der posthumen Wand-Edition, mit dem klingenden Vermächtnis dieser Rundfunk-Produktionen und -Konzertmitschnitte Aspekte seines musikalischen Wirkens aufzuzeigen, die von den zu seinen Lebzeiten erschienenen Schallplatten-Publikationen nicht abgedeckt wurden. Mit den besten Aufnahmen aus den verschiedenen Rundfunk-Archiven, in digitaler Spitzentechnik aufbereitet, soll dem heutigen Hörer eine Vorstellung von der außerordentlichen Repertoire-Bandbreite dieses großen Dirigenten vermittelt werden.
Aus den allerersten Nachkriegsjahren sind kaum noch Aufnahmen erhalten; die meisten Bänder wurden damals nach der Sendung gelöscht, um sie erneut bespielen zu können. Doch in den fünfziger und frühen sechziger Jahren begann man, Qualitäts-Aufzeichnungen aufzubewahren, und von Anfang an gehörten die Produktionen Günter Wands in diese Kategorie. Prüft man diese Archivbestände unter dem Gesichtspunkt der Repertoire-Ergänzung zu den noch zu Wands Lebzeiten erschienenen CDs, so stößt man im klassischen Bereich auf bisher unveröffentlichte geistliche Werke von Mozart, Beethoven und Schubert, darunter mehrere große Messen, auch auf die von Wand so geliebte Serenadenmusik. Es findet sich französisches Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, das in die posthume Edition gehört, sowie vor allem die für Günter Wand so wichtige zeitgenössische Musik - Kompositionen von Tadeusz Baird, Wolfgang Fortner, Paul Hindemith, György Ligeti, Olivier Messiaen, Carl Orff, Igor Strawinsky, Anton Webern, und Bernd Alois Zimmermann.
Noch einen weiteren Aspekt versucht die neue Edition abzudecken: Günter Wands fruchtbare Zusammenarbeit mit großen Künstlern seiner Zeit, soweit sie mit ihm im Rundfunk musiziert haben. Leider waren keinerlei Klangdokumente mit dem großen Alten des Klaviers, Wilhelm Backhaus, zu finden, mit dem zusammen Wand im Gürzenich seinem Publikum wahre Sternstunden des Musikerlebens bereitet hat, ebensowenig wie Aufnahmen mit dem zur Weltspitze gehörenden Geiger Henryk Szeryng, den Wand immer wieder für die Interpretation der großen Violinkonzerte nach Köln geholt hat. Gleichwohl war es möglich, Klangdokumente mit Pianisten vom Rang eines Robert Casadesus, Rudolf Firkusny, Emil Gilels oder Nikita Magaloff aufzutreiben, auch solche mit berühmten Geigern wie Edith Peinemann und Ruggiero Ricci sowie mit zahlreichen Sängerinnen und Sängern von Rang, darunter Martina Arroyo, Margaret Marshall, Anny Schlemm. Werner Krenn und Anita Westhoff (der späteren Frau Wand).
Vom Operetten- und Opernkapellmeister Wand, der von 1932 bis 1944 ausschließlich in diesem Metier aktiv war und Hunderte von Bühnenwerken des 18., 19. und 20. Jahrhunderts dirigiert hat, liegen bedauerlicherweise keinerlei Tondokumente vor - bis auf eine einzige Ausnahme. Und diese wird natürlich in die posthume Wand-Edition aufgenommen, zumal es sich um ein bedeutendes musikhistorisches Ereignis handelt. Es ist die WDR-Nachproduktion der seinerzeit als Sensation empfundenen Uraufführung von Wolfgang Fortners Oper „Bluthochzeit“ nach der lyrischen Tragödie von Federico Garcia Lorca anlässlich der Eröffnung des Neuen Kölner Opernhauses im Sommer 1957. Herausgeber und Produzent hoffen, diese Aufnahme in der Besetzung der Uraufführung unter der Leitung von Günter Wand rechtzeitig zum 50jährigen Jubiläum der Eröffnung des neuen Kölner Opernhauses am Offenbachplatz vorlegen zu können.
Natürlich sind die jeder Veröffentlichung vorangehenden Verhandlungen über den Erwerb der Rechte umso schwieriger (und langwieriger), je älter die betreffende Aufnahme ist und je mehr Mitwirkende sie umfasst. Unter Umständen müssen erst Erben der mitwirkenden Künstler ausfindig gemacht werden, deren Zustimmung notwendig ist. Diese Vorarbeiten sind noch nicht für sämtliche vorgesehenen Aufnahmen abgeschlossen. Deshalb kann jetzt noch keine verbindliche Aussage über die bisher veröffentlichten Volumes dieser Günter-Wand-Edition hinaus gemacht werden, außer dass sich die Planung auf insgesamt 25 plus 5 CDs beläuft, von denen inzwischen fast zwei Drittel veröffentlicht sind - wegen der rechtlichen Problematik nicht immer in der „richtigen“ Reihenfolge.
Die „plus 5“ CDs beziehen sich auf eine kleine Sonderreihe dieser Edition Günter Wand und die Münchner Philharmoniker mit großem klassisch-romantischen Repertoire. Anhand von bisher unveröffentlichten Eigenaufnahmen der Münchner Philharmoniker steht sie für die lebenslange Verbindung des Dirigenten mit diesem deutschen Traditionsorchester, auch wenn die Tondokumente sämtlich in den letzten Lebensjahren des großen Alten am Pult entstanden sind.
Später sollen die CDs in Boxen zusammengefasst und mit längeren Text- und Tondokumenten (Hörbüchern) zum Wirken von Günter Wand (mit seinen eigenen Aussagen zu Leben und Werk) ergänzt werden, die der Herausgeber und Wand-Biograph Wolfgang Seifert beisteuert. Auch an eine die Edition abschließende DVD ist gedacht. Geeignetes Filmmaterial von ZDF/3sat und WDR/ARTE liegt inzwischen vor.
Seit Anfang 2004 sind die folgenden CDs der Günter Wand Edition erschienen, jede mit ausführlichem Kommentar:
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In der Sonderreihe Günter Wand und die Münchner Philharmoniker, welche das interessante „Rand-Repertoire“ der Haupt-Edition (falls diese Bezeichnung überhaupt gestattet ist) mit „großem Repertoire“ ergänzt, sind bisher erschienen:
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Für 2007 sind zunächst Aufnahmen aus den fünfziger Jahren mit Werken von Walter Braunfels und Paul Hindemith vorgesehen, dann Kompositionen von Tadeusz Baird, Richard Strauss (Vier letzte Lieder) und nochmals Mozart. Sie werden im ersten Quartal als Volumes 15, 16 und 17 der Günter Wand Edition erscheinen. Parallel dazu wird als Vol. 5 der MPHIL-Reihe eine CD mit Beethovens Sinfonie Nr. 1 und der „Ersten“ von Brahms herauskommen. Produzent und Herausgeber hoffen, die posthume Günter-Wand-Edition bis Ende 2007/Anfang 2008 abschließen zu können.
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